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Ottawa
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Ottawa (englisch [], französisch oder ) ist die Bundeshauptstadt Kanadas. Sie liegt im östlichen Teil der Provinz Ontario am Fluss Ottawa, unmittelbar an der Grenze zur Provinz QuĂ©bec. Ottawa bedeutet âHĂ€ndlerâ in der Sprache der Algonkin, eines Volkes, das zur Zeit der Besiedlung am Fluss Handel trieb. Am anderen Ufer des Flusses liegt die Zwillingsstadt Gatineau. Ottawa selbst zĂ€hlt 1.068.821 Einwohner (Zensus 2021) und ist damit die sechstgröĂte Stadt Kanadas, der GroĂraum Ottawa-Gatineau ist mit 1.488.307 Einwohnern (Zensus 2021)cite-ref-census-2016-1-0[1] die viertgröĂte Metropolregion Kanadas.
Die Bevölkerung ist zu 63 % englisch- und zu 15 % französischsprachig. Ottawa ist in der Region die einzige offiziell zweisprachige Stadt. In der Stadt selbst ĂŒberwiegt die englische Sprache, im Gegensatz zu dem auf der anderen Seite des Ottawa-Flusses gelegenen Gatineau, in dem die französische Sprache ĂŒberwiegt. Durch eine groĂe Einwandererzahl sind auch zahlreiche weitere Sprachen gelĂ€ufig.
Die Wirtschaft der Hauptstadt wird hauptsĂ€chlich von zwei Sektoren getragen: zum einen durch die ArbeitsplĂ€tze der Bundesbehörden und der Bundesregierung, zum anderen von denen der Hochtechnologieindustrie. Ottawa belegt beim Bruttoinlandsprodukt und dem Nettoeinkommen der Angestellten vordere PlĂ€tze im landesweiten Vergleich und belegt den ersten Platz bei der Pro-Kopf-Zahl von Einwohnern mit akademischem Grad. (â Bildung)
In einer Rangliste der StÀdte nach ihrer LebensqualitÀt belegte Ottawa im Jahre 2018 den 19. Platz unter 231 untersuchten StÀdten weltweit.cite-ref-2[2]
Contents
âą Geografie
âą Lage
âą Stadtgliederung
âą Tektonik
âą Klima
âą Geschichte
âą FrĂŒhgeschichte
âą Politik
⹠Bevölkerung
âą Demografie
âą Sprachen
âą Religionen
âą Wirtschaft
âą Medien
âą Verkehr
âą Museen
âą Sport
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Geografie
Lage
Die Stadt Ottawa liegt am sĂŒdlichen Ufer des Ottawa-Flusses, an der MĂŒndung von Rideau-Kanal und Rideau-Fluss. Von Norden her, ĂŒber das Stadtgebiet Gatineaus, flieĂt der RiviĂšre Gatineau in den Ottawa-Fluss. Die Stadt Ottawa befindet sich in der östlichen Ecke der Provinz Ontario und liegt etwa auf demselben Breitengrad wie Bordeaux und Venedig.
Die Ă€ltesten Teile der Stadt werden als Lower Town bezeichnet und befinden sich im Bereich zwischen Rideau-Kanal und Rideau River. Am gegenĂŒberliegenden Ufer des Kanals ist Centretown (auch Downtown genannt), das finanzielle und kommerzielle Zentrum der Stadt. Zwischen dem Stadtzentrum und dem Ottawa-Fluss liegt Parliament Hill, das Regierungsviertel. Im Ottawa-Fluss liegen mehrere kleinere Inseln. Vor einer stauen sich die rund 60 m breiten ChaudiĂšre-FĂ€lle mit 15 m Falltiefe. Die natĂŒrlichen WasserfĂ€lle werden heute zusĂ€tzlich kĂŒnstlich gestaut und zur Stromgewinnung genutzt. Ăstlich der Innenstadt stĂŒrzen am Rideau River die Rideau-FĂ€lle ĂŒber mehrere Kaskaden in den Ottawa-Fluss und bilden damit die MĂŒndung. Das gesamte Stadtgebiet ist vergleichsweise weitlĂ€ufig und umfasst mit 2779 kmÂČ einen Bereich, der gröĂer als die FlĂ€che des Saarlands ist.
Ottawa grenzt an folgende Bezirke (counties) in Ontario: im Osten an die Prescott and Russell United Counties, im SĂŒdosten an die Stormont, Dundas and Glengarry United Counties, im SĂŒden an die United Counties of Leeds and Grenville, im SĂŒdwesten an Lanark County und im Westen an Renfrew County. Im Norden grenzt es an die kreisfreie Stadt Gatineau und an die regionale Grafschaftsgemeinde Les Collines-de-lâOutaouais in QuĂ©bec. Das Stadtgebiet wird sĂŒdlich von einem GrĂŒngĂŒrtel mit einer GesamtflĂ€che von 203,5 kmÂČ umgeben. Dieser wurde 1950 vom Stadtplaner Jacques GrĂ©ber im Rahmen eines Masterplans fĂŒr die Stadt vorgeschlagen und ab 1956 von der Regierung umgesetzt.cite-ref-3[3]cite-ref-4[4]
Stadtgliederung
2001 wurde Ottawa (das damals rund 350.000 Einwohner zĂ€hlte) mit den zuvor selbststĂ€ndigen StĂ€dten Nepean, Kanata, Gloucester, Rockcliffe Park, Vanier und Cumberland sowie den lĂ€ndlichen Gemeinden West Carleton, Osgoode, Rideau und Goulbourn verschmolzen. Das gesamte heutige Stadtgebiet gehörte von 1969 bis 2001 zur Regionalgemeinde Ottawa-Carleton, die einzelne gemeindeĂŒbergreifende Infrastrukturaufgaben wahrnahm. Seit der Verschmelzung ist das Stadtgebiet Ottawas auf ein Vielfaches gewachsen, was zur Folge hat, dass 80 % der GesamtflĂ€che lĂ€ndlich geprĂ€gt sind. Die Stadt ist in 23 Verwaltungseinheiten (engl. wards) unterteilt.cite-ref-5[5] Diese wiederum werden informell in Viertel (Neighborhoods) unterteilt.
Obwohl Ottawa und seine Zwillingsstadt Gatineau verwaltungstechnisch getrennt sind und sogar in unterschiedlichen Provinzen liegen, bilden sie zusammen mit weiteren kleineren Gemeinden einen gemeinsamen Ballungsraum mit ĂŒber 1,4 Millionen Einwohnern. Die offizielle Bezeichnung dieses seit 1959 bestehenden und 4715 kmÂČ groĂen Ballungsraums lautet National Capital Region (frz. RĂ©gion de la capitale nationale).cite-ref-6[6] Im Gegensatz zu anderen FlĂ€chenstaaten gibt es in Kanada keinen eigentlichen Bundesregierungsbezirk, der Status Ottawas entspricht jenem anderer kreisfreier StĂ€dte in der Provinz Ontario. Die Bundesregierung ĂŒbt jedoch ĂŒber die National Capital Commission, die die GebĂ€ude und weitlĂ€ufigen GrundstĂŒcke im Besitz des Bundes verwaltet, indirekt Einfluss auf die stĂ€dtebauliche Entwicklung in der National Capital Region aus.
Tektonik
Die meisten tektonischen Bewegungen sind im Westen Kanadas auszumachen. Dennoch sind auch im östlichen Teil und damit in der Region um Ottawa leichte bis mittlere Erdbeben zu verzeichnen. Kanada liegt auf der vergleichsweise stabilen Nordamerikanischen Platte und damit hat der Osten â verglichen mit anderen Teilen der Erde â relativ geringe seismische AktivitĂ€ten. Jedes Jahr werden ungefĂ€hr 450 Erdbeben in Ostkanada registriert, davon ĂŒbertreffen etwa vier die Magnitude 4 auf der Richterskala.cite-ref-7[7]
Ostkanada wird in weitere Erdbebenzonen unterteilt. Ottawa selbst befindet sich in der ausgedehnten Zone Western Quebec Seismic Zone, die das gesamte Ottawatal von Montreal bis Témiscaming, eingeschlossen die Stadtregionen Montreal, Ottawa-Hull und Cornwall, umfasst.cite-ref-8[8] Die Muster der bisherigen Beben zeigen eine Konzentration der AktivitÀten vor allem auf den beiden Gebieten entlang des Ottawa-Flusses und auf der Achse Montreal-Maniwaki.
Am 16. September 1732 ereignete sich in Montreal ein Beben mit einer geschĂ€tzten StĂ€rke von 5,8 auf der Richterskala. Dieses richtete betrĂ€chtliche SchĂ€den an. Am 1. November 1935 gab es mit einer StĂ€rke von 6,2 das bis heute stĂ€rkste Beben, dessen Epizentrum bei TĂ©miscaming in der Provinz Quebec nordwestlich von Ottawa lag.cite-ref-9[9] Am 5. September 1944 richtete ein Beben der StĂ€rke 5,6 mit Epizentrum bei Cornwall, einer Kleinstadt zwischen Ottawa und Montreal, etwa 2 Millionen Dollar Schaden an und lieĂ ĂŒber 2000 Schornsteine zusammenfallen.cite-ref-10[10] Zwischen 1980 und 2000 erreichten in Ottawa 16 Beben StĂ€rken ĂŒber der Magnitude 4.
Klima
Das Klima in Ottawa ist ein feuchtes Kontinentalklima mit einer starken Bandbreite und Rekordtemperaturen (Effektive Klimaklassifikation: Dfb). Am 4. Juli 1913 wurde eine Höchsttemperatur von 37,8 °C gemessen, dagegen am 29. Dezember 1933 mit â38,9 °C die tiefste je gemessene Temperatur.cite-ref-11[11] Bezogen auf diesen Tiefsttemperaturrekord gehört Ottawa nach Ulaanbaatar, Astana und Moskau zu den vier kĂ€ltesten HauptstĂ€dten der Welt. Diese enormen Temperaturunterschiede erlauben es der Stadt, eine Vielzahl an jĂ€hrlich wiederkehrenden Veranstaltungen abzuhalten, wie beispielsweise das Winterlude Festival auf dem zugefrorenen Rideau-Kanal. Durch die relativ warmen Sommer gehört Ottawa allerdings im Jahresdurchschnitt betrachtet weltweit nur zu den sieben kĂ€ltesten HauptstĂ€dten.cite-ref-12[12]
WĂ€hrend der Wintermonate dominieren Schnee und Eis. Jedes Jahr fĂ€llt in der Summe etwa 235 cm Schnee. Die gröĂte je gemessene Schneemenge an einem Tag war 73 cm am 2. MĂ€rz 1947.cite-ref-13[13] Die durchschnittliche Temperatur im Januar betrĂ€gt â10,8 °C mit starken Schwankungen zwischen den Tag- und Nachttemperaturen. WĂ€hrend die Tagestemperaturen leicht ĂŒber der Null-Grad-Grenze liegen können, fallen die Nachttemperaturen hin und wieder auf unter â30 °C. In einem durchschnittlichen Winter liegt die Hauptstadt von Mitte Dezember bis Anfang April unter einer geschlossenen Schneedecke, obwohl es auch schneefreie Tage um die Weihnachtszeit geben kann. Der Winter 2007/08 war dabei mit insgesamt 432,7 cm Schnee besonders ergiebig, die Schneehöhe lag damit nur knapp unter der des Rekordjahres 1970/71 von 444,1 cm. Hohe Windchills sind dabei ebenso ĂŒblich wie ĂŒberfrierender Regen. Einer dieser EisstĂŒrme verursachte im Januar 1998 sogar StromausfĂ€lle und beeintrĂ€chtigte die lokale Wirtschaft erheblich.
Die Sommer sind verhĂ€ltnismĂ€Ăig feucht und warm, dauern allerdings nur relativ kurz. Die durchschnittliche Maximaltemperatur im Juli betrĂ€gt 26 °C mit gelegentlichen EinfĂ€llen von kalter Luft mit fallender Luftfeuchtigkeit aus dem Norden des Landes. FrĂŒhling und Herbst fallen aufgrund der Extreme dementsprechend wechselhaft aus. HeiĂe Tage mit ĂŒber 30 °C können bereits Anfang MĂ€rz vorkommen, aber auch noch Ende Oktober. Der durchschnittliche Niederschlag betrĂ€gt rund 914 mm. Die gröĂte Regenmenge innerhalb eines Tages wurde am 9. September 2004 mit 136 mm gemessen. In Ottawa scheint die Sonne etwa 2060 Stunden im Jahr, was 47 % der möglichen Sonnenstunden entspricht. Im Sommer kann es auch zu Tornados kommen.
Geschichte
FrĂŒhgeschichte
Die Erforschung der FrĂŒhgeschichte im Gebiet der kanadischen Hauptstadt begann erst sehr spĂ€t, obwohl sich bereits 1843 ein unbekannter Autor mit einer BegrĂ€bnisstĂ€tte von 20 Indianern in Ottawa befasste,cite-ref-14[14] 1853 Edward Van Cortlandt mit einer (anderen?cite-ref-15[15]) BegrĂ€bnisstĂ€ttecite-ref-16[16]. Doch kam die Forschung, sieht man von den Arbeiten Thomas Walter Edwin Sowters um 1900 abcite-ref-17[17], mehr als ein Jahrhundert lang zum Erliegen.cite-ref-18[18] Auslöser fĂŒr knappe Erörterungen war der Fund einer Portage und eines Indianerlagers genau dort, wo sich heute Kanadas Nationalmuseum fĂŒr Geschichte und Gesellschaft befindet. Erst 2002, anlĂ€sslich des Baues des neuen Kriegsmuseums, kam es zur intensiven Erforschung der durch die Bauarbeiten gefĂ€hrdeten StĂ€tten.cite-ref-19[19]
Die Ă€ltesten menschlichen Spuren reichen rund 6500 Jahre zurĂŒck und finden sich am Leamy Lake, vor allem aber im Tal des Ottawa. Die Ottawa, denen die Hauptstadt ihren Namen verdankt, kamen im 14. Jahrhundert von Osten zu den GroĂen Seen. Sie siedelten jedoch nur bis 1651 in der Region.
Ătienne BrĂ»lĂ© befuhr 1610 als erster EuropĂ€er den Fluss Ottawa, Samuel de Champlain traf 1613 mit dem Ottawa-HĂ€uptling Tessouat nahe der spĂ€teren Stadt Ottawa zusammen. Er nannte die Bewohner âOudaouaisâ. Sie siedelten im Winter in Gruppen von zwei oder drei Familien und fanden sich im Sommer zu groĂen JagdverbĂ€nden zusammen. Von ihnen ĂŒbernahmen die Franzosen die Schneeschuhe.cite-ref-20[20] An den ChaudiĂšre-FĂ€llen opferten sie Tabak, wie Champlain berichtet. 1620 schickte er Jean Nicolet zu den Kichesipirini, die den Fluss âKichesippiâ (GroĂer Fluss) nannten. Um diese Zeit war es den Ottawa gelungen, ein Handelsmonopol entlang des Flusses zu errichten. Mit ihren Kanus transportierten sie Pelze zu den Dörfern der Wyandot oder Huronen, wo sie von den Franzosen in Empfang genommen wurden. In der Gegenrichtung transportierten sie französische Handelswaren zu den weiter entfernten StĂ€mmen. Um 1630 begann mit den Biberkriegen ein langwieriger Kampf um den Pelzhandel mit den Irokesen, der weitrĂ€umige Völkerwanderungen in Bewegung setzte. 1636 versuchten die Kichesipirini vergeblich, eine Koalition mit Huronen, Algonkin und Nipissing gegen die Irokesen zusammenzubringen, die um 1650 die Huronen und spĂ€ter weitere StĂ€mme vernichteten. Erst um 1700 kehrten einige der Gruppen zurĂŒck, doch blieben die Ottawa ĂŒberwiegend sĂŒdlich der GroĂen Seen und damit auf dem Gebiet der spĂ€teren USA ansĂ€ssig. Dennoch hatten sich die französischen PelzhĂ€ndler angewöhnt, jeden Indianer aus der Region der spĂ€teren Hauptstadt als âOttawaâ zu bezeichnen, auch wenn es ein Algonkin oder Ojibway war. So wurde aus dem âGrande RiviĂšre des Algoumequinsâ genannten Fluss bald fĂ€lschlicherweise die âGrande Riviere des Outaouaisâ.
Um Ottawa, etwa auf der Isle-aux-Allumettes, siedelten, abgesehen von den rund zwei Jahrzehnten, in denen die Ottawa ihr Handelsmonopol aufbauten, Algonkin-Gruppen. Champlain nannte eine dieser Gruppen âAlgoumequinsâ. Deren Sprache war eine weit verbreitete HĂ€ndlersprache, so dass diese Bezeichnung bald auf alle StĂ€mme dieser Sprachfamilie ĂŒbertragen wurde. Nördlich von Ottawa (bei Maniwaki) leben heute die Kitigan Zibi Anishinabeg, westlich, am Golden Lake, siedelt die Algonquins of PikwĂ kanagĂ n First Nation.
Im Jahre 1759 kam das Gebiet unter britische Herrschaft. 1800 gelangte mit Philemon Wright aus Massachusetts eine erste Siedlergruppe von fĂŒnf Familien und 33 Arbeitern an die ChaudiĂšre-FĂ€lle, die Wright âColumbia Fallsâ nannte. Aus der Siedlung Wrightâs Town entstand das heutige Gatineau. 1806 fuhr ein erstes FloĂ aus 700 HolzstĂ€mmen den Fluss abwĂ€rts bis QuĂ©bec, doch erst die Kontinentalsperre Napoleons mit ihren hohen Preisen machte aus diesen Fahrten ein lohnendes GeschĂ€ft. Auch lieferte Wright, der den Ort dominierte, ab 1812 Weizen an die USA. Bis 1830 wurde Wrightâs Town, insbesondere sein 1814 gegrĂŒndetes Unternehmen P. Wright & Sons, zur wichtigsten Holzunternehmung in Kanada, doch zugleich verhinderte Wright drei Jahrzehnte lang aus Furcht vor Konkurrenz jede Industrieansiedlung.cite-ref-21[21]
Den Pelzhandel dominierte, nachdem er lange von unabhĂ€ngigen JĂ€gern und HĂ€ndlern betrieben worden war, die in Montreal ansĂ€ssige North West Company. Sie wurde allerdings 1821 mit der Hudsonâs Bay Company zwangsweise vereinigt, jedoch war die Pelztierjagd im Ottawatal inzwischen nur noch von geringer Bedeutung.
Erste Siedlungen, StadtgrĂŒndung, Hauptstadt
Der Name Bytown wurde 1827 zum ersten Mal verwendet, um die Siedlung rund um die Baustelle des Rideau-Kanals zu benennen. Dessen Bezeichnung geht auf Colonel John By zurĂŒck, der von 1826 bis 1832 den Bau des Verbindungskanals zwischen dem Ottawa und dem Rideau River leitete.
James Johnston grĂŒndete 1836 die erste Zeitung des Ortes, Bytown Independent. Im Jahre 1839 zĂ€hlte die Siedlung 2073 Einwohner. Nach einigen Kontroversen erlangte Bytown 1850 das Stadtrecht. Den Namen behielt die Stadt bis 1854; ab 1. Januar 1855 hieĂ die Stadt offiziell Ottawa. Die erste bedeutende Industrie war die Holzindustrie, die den Ottawa zum Transport riesiger FlöĂe nutzte. An den ChaudiĂšre- und Rideau-FĂ€llen entstanden SĂ€gewerke, J. R. Booth war der erfolgreichste dieser lumber barons (Holzbarone). Im Jahre 1855 hatte Ottawa bereits rund 10.000 Einwohner. Der Rideau-Kanal brachte Holz nach Kingston und ĂŒber den Eriesee nach Oswego, eine Ăffnung der kanadischen WĂ€lder Richtung USA, die durch die Eisenbahnbauten noch ausgebaut wurde. Ăhnlich wie im Pelzhandel verdrĂ€ngten GroĂunternehmen bald die Familienbetriebe.
Am 31. Dezember 1857 wurde Königin Victoria aufgefordert, eine Hauptstadt fĂŒr die Provinz Kanada auszuwĂ€hlen. (â Geschichte Kanadas) Sie entschied sich fĂŒr Ottawa. Es ranken sich mehrere Legenden um die Auswahl. So soll die Königin ihre Hutnadel auf einer Landkarte etwa zur HĂ€lfte zwischen die StĂ€dte Toronto und Montreal gesteckt haben; der nĂ€chste Ort sei Ottawa gewesen. TatsĂ€chlich dĂŒrfte die Wahl auf die Stadt gefallen sein, weil Ottawa zum einen an der Sprachgrenze lag und damit fĂŒr beide europĂ€ischen Bevölkerungsteile (in Kanada spricht man heute von Euro-Canadians) akzeptabel schien, andererseits, im Gegensatz zum nahe an der Grenze zu den USA gelegenen Toronto, das vom Ontariosee aus â im erneuten Kriegsfall mit den Vereinigten Staaten â womöglich leicht angreifbar gewesen wĂ€re, lag Ottawa weit im Hinterland. Der Barracks Hill, wo By seine Wachmannschaften untergebracht hatte, sollte zum Sitz des Parlaments werden. Der Bau des GebĂ€udes begann 1860, er sollte bis 1866 rund 4,5 Millionen Dollar verschlingen. Allerdings brachte er Bauarbeiter und Architekten, dann zahlreiche Verwaltungsbeamte und Angehörige des Parlaments nebst ihren Familien nach Ottawa. Beim Baustil bevorzugte man die damals in GroĂbritannien beliebte Neugotik.
Das Verfassungsgesetz von 1867 erhob Ottawa zur Hauptstadt des neuen kanadischen Bundesstaates. Im Jahre 1877 wurde der Ăffentlichkeit hier das erste Telefon prĂ€sentiert. 22 Jahre spĂ€ter, 1899, entstand die Ottawa Improvement Commission, die fĂŒr eine Verschönerung der Stadt sorgen sollte. Am 26. April 1900 zerstörte jedoch ein Feuer rund 2000 GebĂ€ude. Ein defekter Schornstein in Hull, dem alten Stadtkern von Gatineau, fing Feuer. Die Flammen breiteten sich durch die WitterungsverhĂ€ltnisse bis nach Ottawa aus. Sieben Menschen kamen damals unmittelbar durchs Feuer um, weitere Tote gab es durch die nachfolgenden Seuchen, 15.000 wurden obdachlos.cite-ref-22[22] Am 3. Februar 1916 zerstörte ein weiterer groĂer Brand das Parlaments- und SenatsgebĂ€ude. Das neue ParlamentsgebĂ€ude wurde 1922 fertiggestellt.
Umbau durch Jacques Gréber, Kalter Krieg
Im Jahre 1927 ersetzte die Federal District Commission die 1899 eingesetzte Kommission, die zudem fĂŒr den Erhalt der ausgedehnten WĂ€lder im Gatineau-Park sorgte.
Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges rĂŒckte die Stadt in die weltweite öffentliche Wahrnehmung, als am 5. September 1945 der sowjetische Kryptograph Igor Gouzenko aus der Botschaft in Ottawa zu den WestmĂ€chten ĂŒberlief. Er stahl dabei 109 Geheimakten ĂŒber die Entwicklung von Nuklearwaffen.cite-ref-23[23] Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges entstand zum Schutz von Regierung, Verwaltung und der Archivalien der Diefenbunker in Carp, einem Dorf westlich von Ottawa. Er kann heute besichtigt werden. Der Bunker sollte im Falle eines Atombombenangriffs, selbst bei völliger Zerstörung der Stadt, das weitere Funktionieren der RegierungstĂ€tigkeiten sicherstellen.
Da Ottawa stĂ€dtebaulich vergleichsweise schlecht entwickelt war, wurden nach der GrĂŒndung der National Capital Commission im Jahr 1959 unter Leitung von Jacques GrĂ©ber Industrie- und Eisenbahnanlagen aus dem Innenstadtbereich verbannt, GrĂŒnanlagen geschaffen und das Kulturleben gefördert. Dazu gehörte auch die Zentralisierung zahlreicher Artefakte der kanadischen Geschichte in einem zentralen Museum. Durch den National Capital Act war bereits 1958 ein Hauptstadtbezirk von 4800 kmÂČ FlĂ€che entstanden, zu dem 27 Orte (municipalities) gehörten, vor allem aber Ottawa und Hull.
Politik
Politische Strukturen
Die Stadtregierung (engl.: Ottawa City Council, franz.: Conseil municipal dâOttawa) ist das Verwaltungsgremium der Stadt und setzt sich aus 23 StadtrĂ€ten und einem BĂŒrgermeister zusammen. Die Verwaltungsstruktur ist einstufig und trĂ€gt fĂŒr sĂ€mtliche Bereiche der stĂ€dtischen Dienstleistungen die Verantwortung. Der BĂŒrgermeister vertritt die Interessen und Belange der gesamten Stadt, wĂ€hrend die StadtrĂ€te ReprĂ€sentanten (City Councillors) der 24 Verwaltungseinheiten (wards) sind.cite-ref-your-city-government-24-0[24] Sie werden fĂŒr eine vierjĂ€hrige Legislaturperiode gewĂ€hlt. Die letzten Wahlen fanden am 13. November 2006 statt. BĂŒrgermeister war seit dem 1. Dezember 2006 Larry OâBrien (Konservative Partei Kanadas), dem am 1. Dezember 2010 Jim Watson folgte. Er wurde mit 47,08 % der Stimmen gewĂ€hlt und löste damit Bob Chiarelli ab. Sitz der Stadtregierung ist das Rathaus, welches sich sĂŒdlich des Confederation Park befindet.
Die Stadtregierung trifft sich regelmĂ€Ăig zweimal monatlich im Rathaus, jeweils am zweiten und vierten Mittwoch im Monat. Im Bedarfsfall werden auch Sondersitzungen eingelegt. Dem Stadtrat ist ein stĂ€ndiges Komitee (Standing Committee) beigeordnet. Diesem Komitee können BĂŒrger ihre Anliegen vortragen, das wiederum das Anliegen prĂŒft und in kurzen VortrĂ€gen dem Stadtrat prĂ€sentiert. AuĂerdem gibt es 16 Beratungskomitees, welche zu verschiedenen Themenbereichen fachlich dem Stadtrat zur Seite stehen und Empfehlungen aussprechen. Einige Mitglieder des Komitees bestehen aus ehrenamtlichen Mitarbeitern.cite-ref-your-city-government-24-1[24]
Wappen und Flagge
Das Wappen der Stadt Ottawa wurde am 20. Oktober 1954 durch Vincent Massey vorgestellt. Es zeigt einen weiĂen Schild, der kreuzförmig durch zwei wellenförmige, blaue Linien unterbrochen wird. Sie stellen die beiden FlĂŒsse Rideau River und Ottawa River dar, die durch die Stadt flieĂen. An der heraldisch rechten oberen Ecke ist die Königskrone von Königin Victoria abgebildet, die Ottawa zur Hauptstadt erhoben hat. An der heraldisch linken unteren Ecke befindet sich ein rotes Ahornblatt. Der obere Teil des Schildes zeigt auf rotem Grund von rechts nach links Pfeile, ein Astrolabium und Schaufeln. Die Pfeile symbolisieren die ersten Einwohner, wĂ€hrend das Astrolabium fĂŒr die Entdeckung durch Samuel de Champlain steht. Die Schaufeln stehen fĂŒr John By, der den Rideau-Kanal erbaute. Rechts und links vom Schild stehen ein HolzfĂ€ller und ein Offizier. Beide stehen auf einem grĂŒnen Untergrund aus Gras und Kiefernzapfen. Darunter befindet sich ein Banner mit dem Stadtmotto âAdvance â Ottawa â en avantâ. Oberhalb des Schildes befindet sich ein silberner Helm.cite-ref-25[25] Darauf thront eine Kiefer, die historisch betrachtet die wirtschaftliche Basis fĂŒr das Ottawatal und spĂ€ter die Stadt Ottawa bildete.
Die Flagge stellt ein stilisiertes weiĂes O dar, den Anfangsbuchstaben der Stadt. Die dynamischen LinienfĂŒhrungen symbolisieren auĂerdem den Maple Leaf, das Nationalsymbol Kanadas und den Peace Tower des ParlamentsgebĂ€udes. Die Hintergrundfarben sind blau und ein helles grĂŒn. Blau steht dabei fĂŒr die Wasserwege durch Ottawa, die grĂŒne Farbe fĂŒr die WĂ€lder, BĂ€ume und Parklandschaften. Die Flagge besteht seit dem 1. Januar 2000 mit der Verschmelzung der Stadt mit ihren Nachbargemeinden.
Von 1987 bis 2000 war die Stadtflagge eine dreifarbige Flagge mit vertikalen Balken und dem Stadtwappen in seiner Mitte. Die Trikolore reprÀsentierte die Monarchie (purpur), die Liberalen (rot) und die Konservativen (blau). Von 1901 bis 1987 verwendete man die gleiche Flagge ohne Wappen.cite-ref-26[26]
StÀdtepartnerschaften
StÀdtepartnerschaften bestehen zu
âą China Volksrepublik Peking, Volksrepublik China (seit 18. Oktober 1999)
âą Argentinien Buenos Aires, Argentinien
âą Italien Campobasso, Italien
Seit dem 10. Januar 1997 besteht auĂerdem zwischen Ottawa und Seoul, SĂŒdkorea ein Memorandum of Understanding ĂŒber zukĂŒnftige Zusammenarbeit.
Bevölkerung
Bevölkerungsentwicklung
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1891 | 0 44.250 |
| 1901 | 101.102 |
| 1911 | 123.417 |
| 1921 | 152.868 |
| 1931 | 174.056 |
| 1941 | 206.367 |
| 1951 | 246.298 |
| 1961 | 358.410 |
| 1971 | 471.931 |
| 1981 | 546.850 |
| 1991 | 678.147 |
| 2001 | 774.072 [ 27 ] |
| 2006 | 812.129 [ 28 ] |
| 2011 | 883.391 [ 29 ] |
| 2016 | 934.243 [ 1 ] |
| 2021 | 1.068.821 [ 30 ] |
Die Bevölkerung der Stadt wuchs in den vergangenen Jahrzehnten stetig an. Die nebenstehende Tabelle stellt die Einwohnerentwicklung innerhalb der jeweils gĂŒltigen Stadtgrenzen dar. VergröĂerungen der Stadtgrenzen fanden seit GrĂŒndung von Bytown insgesamt zwölfmal statt, vor allem in den 1940er und 1950er Jahren. Im Jahr 2001 erfolgte die gröĂte und bisher letzte Erweiterung des Stadtgebietes. Die Metropolregion Ottawa-Gatineau verzeichnete in der VolkszĂ€hlung 2011 1.236.324 Einwohner.cite-ref-31[31] Innerhalb der ursprĂŒnglichen Grenzen vor der Verschmelzung mit anderen Stadtteilen hatte Ottawa lediglich 337.031 Einwohner, ihre Zahl ging 2006 sogar auf 328.105 zurĂŒck. Nach einer Prognose soll die Stadtbevölkerung weiter wachsen und etwa im Jahr 2021 die Millionengrenze ĂŒberschreiten. Im Jahr 2011 hatte Ottawa 883.391 Einwohner.cite-ref-census2011municipalities-29-1[29]
Demografie
Im Jahr 2001 betrug der Frauenanteil rund 51,23 %, Jugendliche unter 14 Jahren waren mit 19,30 % an der Gesamtbevölkerung vertreten, der Bevölkerungsanteil der ĂŒber 65-JĂ€hrigen betrug 10,81 %. Das Durchschnittsalter lag bei 36,6 Jahren. Der AuslĂ€nderanteil betrug 2006 22,28 %.cite-ref-32[32] Der Anteil der âsichtbaren Minderheitenâ lag bei 20,2 %, wĂ€hrend der Anteil der Ureinwohner 1,5 % von der Gesamtbevölkerung ausmacht. Die gröĂte sichtbare Minderheit wird von den Schwarzen mit 4,9 % gestellt, gefolgt von den Chinesen mit 3,8 %, SĂŒdasiaten mit 3,3 % und Arabern mit 3,0 %.
| Bevölkerungsverteilung [ 33 ] | Bevölkerungsverteilung [ 33 ] | Bevölkerungsverteilung [ 33 ] | Bevölkerungsverteilung [ 33 ] | Bevölkerungsverteilung [ 33 ] | Bevölkerungsverteilung [ 33 ] | Bevölkerungsverteilung [ 33 ] | Bevölkerungsverteilung [ 33 ] | Bevölkerungsverteilung [ 33 ] | Bevölkerungsverteilung [ 33 ] | Bevölkerungsverteilung [ 33 ] | Summe |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Alter | 0â4 | 5â14 | 15â19 | 20â24 | 25â44 | 45â54 | 55â64 | 65â74 | 75â84 | > 85 | |
| Gesamt | 44.585 | 101.565 | 49.445 | 53.680 | 251.660 | 114.915 | 69.230 | 48.010 | 31.420 | 9560 | 774.070 |
| Frauen | 21.965 | 49.490 | 24.095 | 26.845 | 127.645 | 58.965 | 35.595 | 25.885 | 19.295 | 6915 | 396.690 |
| MĂ€nner | 22.620 | 52.075 | 25.345 | 26.840 | 124.015 | 55.955 | 33.635 | 22.130 | 12.125 | 2645 | 377.380 |
Sprachen
Ottawa ist offiziell englisch- und französischsprachig. Die gesamte Verwaltung ist auf die Zweisprachigkeit ausgerichtet. Die Bevölkerung ist ĂŒberwiegend englischsprachig (62,6 %); etwa 14,9 % sind französischsprachig (â Franko-Ontarier). Nur ein geringer Bevölkerungsanteil (etwa 0,85 %) ist mit zwei Muttersprachen aufgewachsen.cite-ref-ottawa-census-2006-34-0[34] Ein Anteil von 59,87 % hat nur Kenntnisse der englischen Sprache, 1,62 % beherrschen nur Französisch. Die französischsprachigen Einwohner leben vor allem in den nordöstlichen Bezirken entlang des Ottawa River. Etwa 37 % der Bevölkerung sprechen beide Sprachen, rund 1,3 % beherrschen keine der beiden Sprachen.cite-ref-ottawa-census-2006-34-1[34] Durch die Einwanderer sind viele andere Sprachen wie Arabisch, Chinesisch, Italienisch, Deutsch, Spanisch oder Persisch vertreten.
Religionen
Nach der VolkszĂ€hlung des Jahres 2001 gehörten 79,34 % der Bevölkerung einer christlichen Konfession an. Davon gehört mit 54,16 % die gröĂte Gruppe der römisch-katholischen Kirche an, 21,85 % sind Protestanten, 1,68 % gehören der orthodoxen Kirche an. Die verbleibenden sind Angehörige der freien christlichen Kirchen, der Zeugen Jehovas oder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Die gröĂte nichtchristliche Gruppe bilden die Angehörigen des Islam mit 3,97 %. Danach folgen Angehörige des Judentumscite-ref-35[35] (1,09 %) und des Buddhismus (0,95 %). Der Anteil der Konfessionslosen betrĂ€gt 13,29 %.cite-ref-36[36]
Wirtschaft und Infrastruktur
HauptstÀdtische Infrastruktur
In Ottawa befinden sich die wichtigsten politischen Institutionen des Landes. Das kanadische Parlament mit Senat und Unterhaus sowie der Generalgouverneur von Kanada haben hier ebenso ihren Sitz wie der Oberste Gerichtshof Kanadas. An der Adresse 24 Sussex Drive befindet sich seit 1949 der offizielle Amtssitz des kanadischen Premierministers. Das eher bescheidene Haus wurde zwischen 1866 und 1868 von Joseph Merrill Currier (1820â1884) erbaut. Der Landsitz des Premierministers befindet sich auĂerhalb der Stadt am Harrington-See im Gatineau-Park, rund 33 km nordwestlich des Regierungsviertels. Die Residenz des Staatsoberhauptes (der Monarch bzw. der Generalgouverneur als Stellvertretung) residiert seit dem 1. Juli 1867 in der Rideau Hall (1 Sussex Drive). Das reprĂ€sentative GebĂ€ude wird vor allem fĂŒr StaatsempfĂ€nge genutzt. Lediglich 500 mÂČ der insgesamt 9500 mÂČ sind als Wohnung konzipiert. Auch der OppositionsfĂŒhrer des Unterhauses und dessen Vorsitzender (speaker) haben offizielle Residenzen im Hauptstadtbezirk. Das offizielle GĂ€stehaus fĂŒr Staatsbesuche ist ein viktorianisches GebĂ€ude in der NĂ€he der Rideau Hall.
AuĂerdem haben 126 Auslandsvertretungen und Hochkommissare ihren Sitz in der Hauptstadt. Die meisten Botschaften und Residenzen befinden sich im Diplomatenviertel Rockcliffe nordöstlich des Regierungsviertels, eine weitere Ansammlung von diplomatischen Missionen befindet sich in der sĂŒdlichen Innenstadt. Die Deutsche Botschaft in Ottawa besteht, nach Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg, wieder seit dem 13. Februar 1951.cite-ref-37[37]
Die Zentralbank Bank of Canada wurde 1935 in Ottawa gegrĂŒndet und befindet sich an der Ecke Wellington Street zu Bank Street in der Downtown.
In Ottawa befindet sich seit 1971 die nationale Statistikbehörde Statistics Canada (franz.: Statistique Canada). Diese Organisation ging aus dem 1918 gegrĂŒndeten Dominion Bureau of Statistics hervor. Die Behörde mit rund 1700 Mitarbeitern hat ihren Sitz westlich der Downtown.
AuĂerdem befinden sich in der Stadt folgende Ministerien und Bundesbehörden: Agriculture and Agri-Food Canada, Citizenship and Immigration Canada, Department of Finance Canada, Fisheries and Oceans Canada, Global Affairs Canada, Health Canada, Industry Canada, Department of Justice, Department of National Defence, Natural Resources Canada, Public Safety Canada, Transport Canada, Veterans Affairs Canada sowie Canada Border Services Agency, Nav Canada, Royal Canadian Mounted Police, Communications Security Establishment Canada und der kanadische Kronrat.
In Gatineau sind u. a. folgende Ministerien und Bundesbehörden untergebracht: Employment and Social Development Canada, Environment and Climate Change Canada, Public Services and Procurement Canada, Indigenous and Northern Affairs Canada, Transportation Safety Board of Canada sowie Canadian International Development Agency.
Wirtschaft
Die Angestellten arbeiten in der Stadt vornehmlich entweder fĂŒr die kanadischen Bundesbehörden und die Bundesregierung oder in der Hochtechnologieindustrie. In Ottawa sind unter anderem die Unternehmen 3M, General Dynamics Canada, Adobe Inc., Bell Canada, IBM Canada, MacDonald Dettwiler, Telesat Canada, Neptec, Corel Corporation und Hewlett-Packard niedergelassen. Die Konzentration an Unternehmen dieser Branche brachte der Stadt auch den Spitznamen âSilicon Valley des Nordensâ ein. Die Firma Royal Canadian Mint prĂ€gt hier an ihrem denkmalgeschĂŒtzten Hauptsitz exklusiv die Anlage- und GedenkmĂŒnzen des Kanadischen Dollars.
Nach einer Erhebung aus dem Jahr 2006 gibt es in Ottawa insgesamt 522.000 Arbeitsstellen. Zwischen 2001 und 2006 entstanden rund 40.000 neue Arbeitsstellen. Trotz der Steigerung ist das durchschnittliche Wachstum auf einen FĂŒnf-Jahres-Zeitraum bezogen langsamer als Ende der 1990er Jahre.cite-ref-annual-report-2007-seite-12-38-0[38] WĂ€hrend die Zahl der BeschĂ€ftigten im Bereich der Bundespolitik stagnierte, wuchs sie in der Branche der Hochtechnologie mit 2,4 % stĂ€rker an. Das gesamte Wachstum der ArbeitsplĂ€tze in Ottawa-Gatineau betrug 1,3 % im Vergleich zum Vorjahr und lag damit auf Platz 6 hinter Edmonton (6,7 %), Calgary (3,9 %), Vancouver (3,0 %), Montreal (2,5 %) und Toronto (2,3 %).cite-ref-39[39] Die Arbeitslosenquote in Ottawa-Gatineau betrug 5,2 % (nur Ottawa: 5,1 %cite-ref-40[40]) und lag damit unter dem nationalen Durchschnitt von 6,0 %.cite-ref-annual-report-2007-seite-12-38-1[38]
Die Zunahme des Bruttoinlandsprodukt betrug in Kanada 2007 2,4 %; Ottawa war mit 2,7 % auf Platz 4 der groĂen StĂ€dte. Die Region Ottawa-Gatineau hat die dritthöchsten Einkommen aller groĂen StĂ€dte Kanadas. Das durchschnittliche Bruttoeinkommen in der Region lag bei 40.078 Dollar (nach Calgary mit 52.927 Dollar und Edmonton mit 42.866 Dollar) und stieg damit um 4,9 % im Vergleich zum Vorjahr. Das Nettoeinkommen lag bei 30.347 Dollar (Zuwachs um 4,4 % zum Vorjahr) und bedeutet fĂŒr die Region ebenfalls Platz 3. Der Lebenshaltungskostenindex wurde 2007 mit 110,7 gemessen, was einer Jahresteuerungsrate von 1,9 % entsprach.cite-ref-41[41]
Die Weltwirtschaftskrise bewirkte einen Anstieg der Arbeitslosenquote zwischen April 2008 und April 2009 von 4,7 auf 6,3 %. In der Provinz stieg diese Quote allerdings im gleichen Zeitraum von 6,4 auf 9,1 %.cite-ref-42[42]
Medien
In der kanadischen Hauptstadt erscheinen eine Reihe von Tageszeitungen. Der 1845 gegrĂŒndete Ottawa Citizen ist eine englischsprachige, konservative Tageszeitung mit einer Auflage von rund 140.000 Exemplaren. Die Zeitung fĂŒhrt den Peace Tower in ihrem Logo. Wie auch in anderen kanadischen GroĂstĂ€dten erscheint die kostenlose Pendlerzeitung 24 Hours. Die Ottawa Sun gilt als konservativ-populistisch und ist die Schwesterzeitung der Toronto Sun. Mit rund 35.000 Exemplaren erscheint tĂ€glich die französischsprachige Le Droit. Die 1913 gegrĂŒndete Zeitung ist gleichzeitig die einzige frankophone Tageszeitung in der Provinz Ontario, wird aber auch im angrenzenden Gatineau gelesen.
Obwohl Ottawa die Hauptstadt Kanadas ist, sind die meisten â auch örtlichen â Fernsehsender im SĂŒden Ontarios, vor allem in Toronto beheimatet. Wegen der Zweisprachigkeit der Stadt hat sie terrestrische Empfangsmöglichkeiten fĂŒr die meisten englisch- und französischsprachigen Sender des Landes. In der Hauptstadt sind unter anderen das 1947 gegrĂŒndete Talkradio 580 CFRA, der Sportradiosender The Team 1200, Oldie-Radiosender Oldies 1310, Hot 89.9FM und Live 88.5FM beheimatet.
Verkehr
Ottawa ist durch zwei Bahnhöfe an das Eisenbahnnetz von VIA Rail angeschlossen. Der Bahnhof Ottawa ist Ausgangs- und Endpunkt der Linien nach Toronto und Montreal. Der rund zehn Kilometer sĂŒdlich des Zentrums gelegene Ottawa Macdonald-Cartier International Airport wird von einer Vielzahl von Fluggesellschaften angeflogen. In der Region der Stadt befinden sich noch zehn weitere kleinere FlugplĂ€tze. Ottawa ist mittels Langstreckenbusverbindungen mehrerer Gesellschaften wie zum Beispiel Greyhound Canada mit anderen kanadischen StĂ€dten verbunden.
In Ottawa werden zwei Stadtbahn- und mehrere Buslinien von OC Transpo unterhalten. Bemerkenswert ist der Transitway. Es handelt sich dabei um ein BusstraĂensystem, das weitgehend kreuzungsfrei gefĂŒhrt wird und Haltestellenanlagen besitzt, die an U-Bahn-Stationen erinnern. In der Innenstadt verlassen die Busse den Transitway und verkehren auf dem normalen StraĂennetz. Die modernen Stadtbahnen werden als O-Train bezeichnet. In der Innenstadt verlĂ€uft die Strecke in einem Tunnel. Dort verkehren im 5-Minuten-Takt moderne niederflurige Fahrzeuge.cite-ref-43[43] Im Osten und Westen sollen die Strecken verlĂ€ngert werden, wofĂŒr die Bauarbeiten teilweise schon begonnen haben.cite-ref-44[44]
Ottawa ist sternförmig durch ein Netzwerk mehrerer Autobahnen erschlossen. Der Highway 417 (The Queensway) verlĂ€uft als Teil des Trans-Canada Highway von Westen nach Osten in Richtung Montreal. Nach SĂŒden fĂŒhrt der Highway 416 (Veterans Memorial Highway) bis nach Prescott und bindet die Hauptstadt damit an die restlichen 400er-Autobahnen und das Goldene Hufeisen an.
Die George Dunbar Bridge quert den Rideau River.
Eine groĂe Anzahl von StraĂen werden als sogenannte Scenic Parkways von der National Capital Commission verwaltet, sie sollen hauptsĂ€chlich dem Freizeitverkehr dienen und sind daher fĂŒr LKW gesperrt. An den Sommerwochenenden werden einige Scenic Parkways fĂŒr den motorisierten Verkehr gesperrt und dienen FuĂgĂ€ngern, Rollschuhfahrern sowie dem Radverkehr.
Ottawa ist von einem groĂen Netz an FuĂgĂ€nger- und Radwegen durchzogen. Die Wege meiden verkehrsreiche AutostraĂen und erstrecken sich auch entlang der FlĂŒsse. Sie bieten damit gute Möglichkeiten fĂŒr Radwanderungen oder SpaziergĂ€nge.
Nach statistischen Erhebungen nutzten im Jahr 2005 â gemessen wurde an einem verkehrsreichen Morgen â rund 62 % der BĂŒrger das Automobil, 21 % die öffentlichen Verkehrsmittel, 9 % liefen zu FuĂ, 2 % nutzten das Fahrrad und 6 % nutzten andere Fortbewegungsmittel.cite-ref-45[45] FĂŒr die Zukunft soll aufgrund der wachsenden Bevölkerungszahl der Schwerpunkt auf den öffentlichen Nahverkehr gelegt und eine Auslastung von 30 % angestrebt werden. Der Pendlerverkehr von Gatineau nach Ottawa betrug 2005 insgesamt 43.200 was 31 % des Gesamtverkehrs entspricht. Umgekehrt gab es von Ottawa nach Gatineau nur 17.200 Pendler, was einer Quote von 4 % entspricht.cite-ref-46[46] Der Pendleraustausch zwischen dem lĂ€ndlichen Stadtgebiet und der Downtown fĂ€llt im VerhĂ€ltnis von 67 % stadteinwĂ€rts zu 2 % stadtauswĂ€rts noch drastischer aus.cite-ref-47[47]
Bildungseinrichtungen
Die Stadt verfĂŒgt ĂŒber zwei staatliche UniversitĂ€ten, die UniversitĂ€t Ottawa und die Carleton University. DarĂŒber hinaus gibt es mehrere Hochschulen. Das 1967 gegrĂŒndete Algonquin College ist eine Hochschule fĂŒr angewandte Kunst und Technologie. Das Dominican University College bietet mehrere FakultĂ€ten der Philosophie und Theologie. Die kleine Hochschule hat rund 160 Studenten und wurde im Jahr 1900 gegrĂŒndet. Die 1848 gegrĂŒndete Saint Paul University ist eine pĂ€pstlich-katholische UniversitĂ€t mit etwa 1000 Studenten. Sie beherbergt FakultĂ€ten fĂŒr Kirchenrechts, Humanwissenschaften, Philosophie und Theologie. Die meisten Hochschulen und UniversitĂ€ten lehren englisch und französisch. Das La CitĂ© collĂ©giale mit etwa 5.000 Studenten ist eine französischsprachige Hochschule, die als Ableger des Algonquin College 1990 gegrĂŒndet wurde.
Das Ottawa-Carleton District School Board (OCDSB), Conseil des Ă©coles publiques de l'Est de l'Ontario, Ottawa Catholic School Board und Conseil des Ă©coles catholiques du Centre-Est betreiben zahlreiche allgemeinbildenden Schulen, die in englischer oder französischer Sprache unterrichten. Daneben gibt es mehrere privat gefĂŒhrte Schulen, z. B. das Internat Ashbury College und eine Montessorischule.
Ottawa hat landesweit die höchste Pro-Kopf-Konzentration von Ingenieuren, Wissenschaftlern und Einwohnern mit akademischem Grad.cite-ref-48[48]
Das nationale Archiv und die Nationalbibliothek Kanadas Library and Archives Canada wurde in einem neu errichteten Bau 1967 von Premierminister Lester B. Pearson eröffnet.
Kultur und SehenswĂŒrdigkeiten
Siehe auch
:
Liste der National Historic Sites of Canada in Ottawa
Stadtbild und Architektur in Downtown
Im Gegensatz zu Toronto und Montreal dominieren nur wenige hohe GebĂ€ude das Stadtbild Ottawas. Mit 112 m ist das höchste GebĂ€ude Place de Ville II nur unwesentlich höher als der historische Peace Tower des ParlamentsgebĂ€udes. Vor allem in der Innenstadt sind die StraĂen rechtwinkelig angelegt, wobei die groĂen AusfallstraĂen teilweise ihren ursprĂŒnglichen Verlauf behalten haben und dem Muster nur teilweise folgen.
Als HauptsehenswĂŒrdigkeit gilt das Regierungsviertel, dessen GebĂ€ude in Anlehnung an die Regierungsbauten in London entworfen wurden und im Stil der britischen Neugotik gehalten sind. Die Bauwerke befinden sich auf dem ParlamentshĂŒgel (Parliament Hill) zwischen dem Rideau-Kanal und dem Ottawa River. Das ParlamentsgebĂ€ude ist ein Komplex, der aus drei Teilen (East Block, West Block und Centre Block) und dem markanten 92 m hohen Peace Tower besteht. An der Nordseite des Centre Block befindet sich die Parlamentsbibliothek, die aufgrund ihres Kuppeldachs und seinen StĂŒtzpfeilern an einen gotischen Sakralbau erinnert. Auf dem Vorplatz des Parlaments brennt die Centennial Flame, die in der Neujahrsnacht 1966 an die ersten hundert Jahre der Kanadischen Konföderation erinnern soll. Einige hundert Meter westlich des Parlaments befindet sich der Oberste Gerichtshof Kanadas. Das höchste kanadische Gericht tagt in einem 1939 erbauten GebĂ€ude mit grĂŒnlichem Dach. Im Regierungsviertel finden sich zahlreiche Statuen berĂŒhmter kanadischer Politiker. Ăstlich des ParlamentsgebĂ€udes befindet sich eine Statue aus dem Jahr 1977, die Königin Elisabeth II. auf einem Pferd darstellt.
Die 1846 geweihte römisch-katholische Kathedralbasilika Notre Dame östlich des Rideau-Kanals am Sussex Drive ist die Àlteste Kirche Ottawas und Sitz des Erzbischofs. Die neogotische Kirche wurde von 1841 bis 1865 erbaut, der prachtvolle Innenraum zwischen 1876 und 1885 gestaltet.cite-ref-49[49]
Westlich der Notre Dame befindet sich die Kanadische Nationalgalerie (National Gallery of Canada). SĂŒdlich des Museums befinden sich die Zufahrt zur Alexandra Bridge nach Gatineau und ein kleiner Park mit dem Denkmal Samuel de Champlains (Nepean Point).
Zwischen den ParlamentsgebĂ€uden und dem Nobelhotel ChĂąteau Laurier flieĂt der Rideau-Kanal, der an der MĂŒndung zum Ottawa River mehrere Schleusenstufen aufweist und einen Höhenunterschied von 24,1 Meter mit Hilfe von acht von Hand zu bedienenden Toren ĂŒberbrĂŒckt. In den Wintermonaten wird der Kanal zur lĂ€ngsten Schlittschuhlaufbahn der Welt (etwa sieben Kilometer).
Am Rideau-Kanal befindet sich der Confederation Square, eine dreieckige Parkanlage, in der sich ein monumentales Kriegsdenkmal befindet. SĂŒdlich des Parks steht das National Arts Centre, ein Konzert-, Opern und Theaterhaus. Nördlich des Confederation Square befindet sich das ChĂąteau Laurier. Das an eine mittelalterliche Burg erinnernde HotelgebĂ€ude wurde 1912 als Eisenbahnhotel errichtet und zĂ€hlt zu den besten Hotels der Stadt.
Siehe auch
:
Liste der HochhÀuser in Ottawa
und
Denkmal fĂŒr die kanadischen Entwicklungs- und Aufbauhelfer
Museen
Die Sammlung der Kanadischen Nationalgalerie dokumentiert die Entwicklung der kanadischen Kunst, stellt aber auch asiatische und europĂ€ische Kunst aus. Das MuseumsgebĂ€ude mit seinem auffĂ€lligen Glaskuppelbau wurde 1988 von Moshe Safdie entworfen. Das Museum besitzt Werke von KĂŒnstlern wie Lucas Cranach d. Ă., El Greco, Gustav Klimt, Pablo Picasso oder Andy Warhol. Die kanadische Kunst ist z. B. mit Werken von Paul Kane und der Group of Seven vertreten. AuĂerdem zeigt das Museum in einer eigenen Abteilung Videokunst. Auf dem Vorplatz befindet sich die 1999 aufgestellte, zehn Meter hohe Spinnenskulptur Maman aus Bronze, die die französische Bildhauerin Louise Bourgeois schuf.
Neben dem ChĂąteau Laurier befindet sich das der Nationalgalerie angegliederte Museum of Contemporary Photography. In einem ehemaligen Eisenbahntunnel untergebracht, beherbergt es ĂŒber 150.000 Fotografien von zumeist kanadischen KĂŒnstlern.
Seit 2005 befindet sich das Kanadische Kriegsmuseum in einem neuen GebĂ€ude in den Lebreton Flats nahe dem Ottawa-Fluss. Das GebĂ€ude wurde von den Architekten Raymond Miriyama und Alex Rankin entworfen. In fĂŒnf verschiedenen Sektionen wird chronologisch die Kriegsgeschichte Kanadas beleuchtet, im eigenen Land wie auch in anderen Erdteilen. Eine Attraktion ist ein originales Mercedes-Benz-770-Cabriolet von Adolf Hitler. Bei diesem Exponat, das ursprĂŒnglich der Wagen von Hermann Göring hĂ€tte sein sollen, handelt es sich um eine Schenkung eines QuĂ©becer GeschĂ€ftsmannes aus dem Jahr 1970.cite-ref-50[50]cite-ref-51[51] Zudem rekonstruierte das Museum einige bekannte KriegsschauplĂ€tze, beispielsweise einen SchĂŒtzengraben aus dem Ersten Weltkrieg.
Im benachbarten Gatineau befindet sich mit Kanadas Nationalmuseum fĂŒr Geschichte und Gesellschaft, das meistbesuchte Museum Kanadas. Es widmet sich der Kultur- und Besiedlungsgeschichte Kanadas, wobei es sich in Form von Dauerausstellungen mit dem Thema der Ureinwohner (vor allem der First Nations, aber auch der MĂ©tis und Inuit), der Besiedlungsgeschichte durch europĂ€ische und asiatische Einwanderer und herausragenden Persönlichkeiten der kanadischen Geschichte befasst. Im Museum ist auĂerdem das Kanadische Postmuseum (Canadian Postal Museum), das u. a. eine Sammlung sĂ€mtlicher in Kanada erschienenen Briefmarken besitzt.
Weitere Museen Ottawas sind das Canadian Museum of Nature am SĂŒdrand der Downtown, das Canada Science and Technology Museum am sĂŒdöstlichen Stadtrand, das Canada Aviation and Space Museum auf dem GelĂ€nde des Flugplatzes Ottawa-Rockcliffe nordöstlich der Innenstadt und das Museum fĂŒr Landwirtschaft und ErnĂ€hrung auf dem GelĂ€nde der Central Experimental Farm/Ferme expĂ©rimentale centrale im SĂŒdwesten der Innenstadt.
Im GebĂ€ude der Bank of Canada ist das MĂŒnzmuseum (Currency Museum) untergebracht. Es zeigt MĂŒnzen aus China, dem antiken Griechenland, Rom, Byzanz und MĂŒnzen vom Mittelalter bis zur Renaissance sowie die Entwicklung des Geldwesens in Nordamerika.
Musik und Theater
Zwischen der Elgin Street und dem Rideau-Kanal befindet sich das National Arts Centre, ein GebĂ€udekomplex, der mehrere Hallen fĂŒr Konzert- und TheaterauffĂŒhrungen bietet. Es beherbergt die zwei Orchester National Arts Centre Orchestra und das Ottawa Symphony Orchestra sowie die Operngruppe Opera Lyra Ottawa. Diese treten vor allem in der ĂŒber 2300 PlĂ€tze fassenden Southam Hall auf. Das Theater mit knapp 900 Sitzen ist der Stammsitz einer englisch- und einer französischsprachigen Theatergruppe. Das dunkelbraune GebĂ€ude, das von den Architekten Dimitri Dimakopoulos und Fred Lebensold entworfen wurde, ist lĂ€nglich und besteht aus mehreren hexagonalen Formen. Die Eröffnung des Kunstzentrums fand am 2. Juni 1969 statt.
In der NĂ€he des Algonquin College befindet sich das Centrepoint Theater. Es bietet fĂŒr kleinere Musik- und TheaterauffĂŒhrungen Platz fĂŒr knapp 1000 Zuschauer. Die Veranstaltungshalle wurde am 3. Mai 1988 eröffnet.
RegelmĂ€Ăige Veranstaltungen
Ăber 60 Festivals und Veranstaltungen finden jedes Jahr im regelmĂ€Ăigen Turnus in Ottawa statt.
JĂ€hrlich im Mai findet die Tulpenparade statt, die an die Geburt der niederlĂ€ndischen Prinzessin Margriet wĂ€hrend des Exils der Königsfamilie im Zweiten Weltkrieg in Ottawa erinnert. Königin Juliana konnte wĂ€hrend ihres Exils ihre Tochter in einem kurzfristig extraterritorial erklĂ€rtencite-ref-52[52] Krankenhauszimmer zur Welt bringen, was dieser den Anspruch auf die Thronfolge sicherte. Aus Dankbarkeit dafĂŒr schickt das niederlĂ€ndische Königshaus bis heute jedes Jahr 20.000 Tulpenzwiebeln in die kanadische Hauptstadt. Teil dieses Festes ist eine groĂe Bootsparade auf dem Rideau-Kanal.
Das im Sommer stattfindende Ottawa International Chamber Music Festival gehört weltweit zu den gröĂten Kammermusikereignissen. Seit 1981 wird ebenfalls im Sommer das Ottawa International Jazz Festival abgehalten. Im Jahr 2011 kamen etwa 295.000 Besucher zu dieser Veranstaltung.cite-ref-53[53] Kanadas gröĂtes Bluesfestival findet ebenfalls in Ottawa statt.cite-ref-54[54] Seit 1994 werden an elf Tagen im Juli auf verschiedenen BĂŒhnen Blueskonzerte aufgefĂŒhrt. 2007 besuchten mehr als 300.000 Menschen das Festival.cite-ref-55[55]
Der Kanadische Nationalfeiertag Canada Day am 1. Juli wird grundsĂ€tzlich im ganzen Land gefeiert. In Ottawa konzentrieren sich allerdings viele Veranstaltungen wie Paraden, groĂe Konzerte und die PrĂ€senz von Vertretern der kanadischen Politik. In den Jahren 1967, 1990, 1992, 1997 und 2010 nahm auch Königin Elisabeth II. an den Feierlichkeiten teil.cite-ref-56[56]
Seit 1979 wird in Gatineau und Ottawa im Februar das Freiluftfestival Winterlude (franz.: Bal de neige) ausgetragen. Da in den vergleichsweise strengen Wintermonaten der Rideau-Kanal oft vollstÀndig zugefroren ist, finden auf dem Kanal Musikkonzerte und eissportliche AktivitÀten statt. Einer der Höhepunkte ist ein Skulpturenwettbewerb, bei dem Skulpturen aus Schnee und Eis gefertigt und nachts angeleuchtet werden. 2007 lockte das Festival rund 1,6 Millionen Besucher an.
Sport
Mit den Ottawa Senators in der National Hockey League (NHL) verfĂŒgt Ottawa ĂŒber eine Major-League-Mannschaft. Ihre Heimspiele tragen die seit 1992 am Spielbetrieb teilnehmenden Senators im 19.153 Zuschauer fassenden Canadian Tire Centre aus, das 1996 eröffnet und 2005 erweitert wurde. Die Ottawa 67âs sind eine Mannschaft in der Jugendliga Ontario Hockey League (OHL). In den Jahren 1978 und 1984 fanden die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaftenen in Ottawa statt.
Mannschaften, welche die weiteren kanadischen Nationalsportarten Lacrosse (Ottawa Rebel) und Canadian Football (Ottawa Renegades) ausĂŒbten, existierten nur kurzzeitig. Das höchstklassige FuĂballteam der Stadt sind Ottawa Fury in der Profiliga United Soccer League. Mit 26.559 PlĂ€tzen ist das TD Place Stadium die gröĂte SportstĂ€tte Ottawas. Seit 2014 wird durch die Ottawa RedBlacks auch wieder Canadian Football gespielt. Innerhalb Ottawas befinden sich ungefĂ€hr 170 Kilometer asphaltierte Wege, die speziell fĂŒr Inlineskater geeignet sind. JĂ€hrlich am letzten Maiwochenende finden Laufwettbewerbe (Ottawa Race Weekend) statt, zu dessen Höhepunkt der Ottawa-Marathon zĂ€hlt.
Persönlichkeiten
â
Hauptartikel
:
Liste von Persönlichkeiten der Stadt Ottawa
âą Margaret Atwood wurde 1939 in Ottawa geboren. Ihr berĂŒhmtester Roman "Der Report der Magd" erschien 1985.
âą Der 1908 in der TĂŒrkei geborene PortrĂ€tfotograf Yousuf Karsh war in Ottawa beheimatet. Er eröffnete in der NĂ€he des ChĂąteau Laurier sein Studio.cite-ref-57[57] Am 30. Dezember 1941 fotografierte er Winston Churchill in Ottawa nach einer Rede, die er im Unterhaus hielt. Mit diesem Foto, das auch Titelbild des Life Magazin wurde, wurde Karsh weltweit bekannt. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er zwar in Boston, wurde jedoch auf dem Notre Dame Friedhof in Ottawa beigesetzt.
âą Lorne Greene, der als âBen Cartwrightâ in der Westernserie Bonanza bekannt gewordene Schauspieler, wurde 1915 in Ottawa geboren.
âą Die Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Slalom Anne Heggtveit wurde 1939 in Ottawa geboren. Am Camp Fortune Ski Resport, etwas auĂerhalb der Stadt, wurde ein Skirennen nach ihr benannt.cite-ref-58[58]
âą Der berĂŒhmte SĂ€nger und Komponist Paul Anka wurde 1941 in der kanadischen Hauptstadt geboren. Seine aus dem Libanon stammenden Eltern haben dort ein Restaurant betrieben. Wie viele KĂŒnstler zog auch Anka wegen der fehlenden Entfaltungsmöglichkeiten aus Ottawa weg. Im Jahr 1957 ging er nach New York City. Die Stadtregierung erhob den 26. August 1981 als Anerkennung fĂŒr seine damals bereits 25 Jahre andauernde Karriere im Show-Business zum Paul Anka Day. AuĂerdem benannte die Stadt ihm zu Ehren nördlich des Flughafens eine StraĂe, den Paul Anka Drive. Dennoch gilt das VerhĂ€ltnis zu seiner Heimatstadt als gespalten. Nachdem er 1981 nach einem Auftritt negative Kritiken erhalten hatte, kehrte er der Stadt fĂŒr mehr als 20 Jahre den RĂŒcken. Erst im April 2002 sang er fĂŒr eine Benefizgala im Ottawa Congress Centre.cite-ref-59[59]
âą Roger Spottiswoode, der Regisseur des Bond-Films James Bond 007 â Der Morgen stirbt nie, der Komödie Scott & Huutsch und des Science-Fiction-Thrillers The 6th Day, kam 1945 in Ottawa zur Welt.
âą Der Drehbuchautor und Schauspieler Dan Aykroyd, der fĂŒr seine Rolle als Elwood Blues in der Filmkomödie Blues Brothers bekannt geworden ist, wurde 1952 in Ottawa geboren und studierte zunĂ€chst an der Carleton University Kriminologie und Soziologie. Sein Vater arbeitete in der Hauptstadt als politischer Berater fĂŒr den damaligen Premierminister Pierre Trudeau.
âą Der amtierende Premierminister der Provinz Ontario Dalton McGuinty wurde 1955 in der Hauptstadt geboren. McGuinty ging hier zur Schule und studierte an der University of Ottawa Rechtswissenschaften. Danach praktizierte er auch einige Zeit in der Stadt als Rechtsanwalt.
âą Die SĂ€ngerin Alanis Morissette wurde 1974 in Ottawa geboren und lebte auch bis zu ihrem High-School-Abschluss dort. Im Jahre 1993 schlieĂlich zog sie nach Toronto.
âą Die Pianistin Angela Hewitt wurde 1958 in Ottawa geboren. Ihr Vater war dort Domorganist. Sie ist insbesondere fĂŒr ihre Einspielungen und Konzerte der Klavierwerke von Johann Sebastian Bach berĂŒhmt. Sie lebt jetzt in London und Umbrien (Italien).
âą Fra' John Dunlap wurde 1957 in Ottawa geboren und ist als Rechtsanwalt in New York City tĂ€tig. Er ist Professritter des SouverĂ€nen Malteserordens sowie seit 2023 GroĂmeister des Malteserordens.
Literatur
âą Rob McLennan: Ottawa: The Unknown City. Arsenal Pulp Press, 2007, ISBN 978-1-55152-232-6.
âą Art Montague: Ottawa Book of Everything. MacIntyre Purcell Publishing Inc., 2007, ISBN 978-0-9738063-8-0.
âą James Hale: Frommerâs Ottawa. Frommers 2009, ISBN 978-0-470-15695-7.
âą Shirley E. Woods: Ottawa: The Capital of Canada. Doubleday Canada Ltd, Toronto 1980.
âą Walter E. Riedel: An austrian in Ottawa: Carl Weiselbergerâs canadian experience: In The Old World And The New. Literary perspectives of german-speaking canadians. University of Toronto Press, 1984, ISBN 0-8020-2516-1, S. 107â123.
Weblinks
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âą Informationen ĂŒber Ottawa (französisch/englisch)
âą Fotos der Attraktionen von Ottawa (englisch)
Einzelnachweise
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cite-note-1616. â Edward Van Cortlandt: Notice of an Indian Burying Ground, in: The Canadian Journal, Februar 1853, 160â161. Der Beitrag findet sich hier.
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